Skip to content

NIS-2-Richtlinie, Netz- und Informationssicherheit (NIS2) ​

Auf einen Blick ​

MerkmalWert
Framework-ID (für regimes_active)NIS2
HerausgeberEuropäische Union (Richtlinie (EU) 2022/2555)
Version2022-12-27 (Veröffentlichung im Amtsblatt)
StatusIn den Katalog-Metadaten nicht angegeben
SWAO-Katalogversion1.0.0
Anzahl Kontrollen46
Bewertungsmodusbinary (in framework-meta.yaml deklariert)
Assessment-Scope (framework-meta)app, aud
Signal-PräfixNIS2
Lizenz und WeitergabeEU-Rechtsakt, nachnutzbar nach den EUR-Lex-Bedingungen. Die Beschreibungen geben die Richtlinie sinngemäß wieder; nationale Umsetzungsgesetze weichen voneinander ab.
Zuletzt geprüft2026-09-21

Worum es geht ​

NIS2 ist die Richtlinie (EU) 2022/2555 über Maßnahmen für ein hohes gemeinsames Cybersicherheitsniveau in der Union. Sie hat die erste NIS-Richtlinie abgelöst, war von den Mitgliedstaaten bis zum 17. Oktober 2024 umzusetzen und wirkt über nationales Recht (etwa das im Katalog referenzierte deutsche NIS-2-Umsetzungsgesetz). Sie erfasst mittlere und große wesentliche Einrichtungen (EE) und wichtige Einrichtungen (IE) in 18 Sektoren, darunter Energie, Verkehr, Bankwesen, Finanzmarktinfrastruktur, Gesundheit, Trink- und Abwasser, digitale Infrastruktur, verwaltete IKT-Dienste, öffentliche Verwaltung und Weltraum.

Die Kernpflichten stehen in Artikel 20 (Verantwortung und Schulung der Leitungsorgane), Artikel 21 (zehn Mindestmaßnahmen des Cybersicherheits-Risikomanagements, Art. 21 Abs. 2 Buchst. a bis j) und Artikel 23 (Meldepflichten: Frühwarnung binnen 24 Stunden, Meldung binnen 72 Stunden, Abschlussbericht binnen eines Monats). Der SWAO-Katalog bildet dies als 46 Kontrollen in 10 Domänen ab.

Wer es in SWAO nutzen sollte und wann ​

Setzen Sie NIS2 für Anwendungen und Plattformen von Organisationen ein, die wesentliche oder wichtige Einrichtungen sind oder werden könnten: Versorger, Krankenhäuser, Banken, Verkehrsbetreiber, Cloud- und Rechenzentrumsanbieter, Managed Service Provider, DNS-Anbieter und öffentliche Verwaltung. NIS2 ist die Standard-Basis der EU für souveräne Cloud-Migrationsprogramme und lässt sich gut mit ISO_27001 (gemeinsames Kontrollvokabular), DORA für Finanzunternehmen, KRITIS_DE für deutsche KRITIS-Betreiber und BSI_GRUNDSCHUTZ_2023 bei Anwendung der BSI-Methodik kombinieren.

Was SWAO prüft ​

Die Kontrollen werden im Compliance-Pass bewertet (Pass 11, COMP). Für jedes Framework in assessment.regimes_active übergibt der Pass ID, Titel, Beschreibung und Standard-Schweregrad jeder Kontrolle zusammen mit allen zuvor im Lauf erzeugten Signalen in Blöcken zu je 20 Kontrollen an das konfigurierte LLM. Das LLM liefert je Kontrolle ein Ergebnis mit kurzer Begründung:

ErgebnisBedeutung
SATISFIEDDie Signale bestätigen, dass die Kontrolle erfüllt ist.
PARTIALEinzelne Elemente sind vorhanden, es bleiben jedoch Lücken.
GAPDie Signale zeigen, dass die Kontrolle nicht erfüllt ist.
UNKNOWNKein Signal spricht für oder gegen die Kontrolle.
N_ADie Kontrolle ist für diesen Workload nicht anwendbar (mit Begründung).

Vom LLM zitierte Signale werden gegen die tatsächlichen Signale des Laufs geprüft; Pfade zu Evidenzdateien stammen aus den zitierten Signalen, nicht vom LLM. Ist kein LLM-Provider konfiguriert, wird jede Kontrolle als UNKNOWN erfasst und das Framework erhält den Status pending-llm. Ein Sammelsignal COMP-NN fasst die Ergebnisse je Framework zusammen.

Jede Kontrolle im Katalog deklariert zusätzlich eine evidence_basis, also die Signalfamilie oder das Dokument, an dem sie gemessen werden soll. Der Evaluator filtert nicht nach diesem Feld. Es zeigt Prüfern, welche Evidenz zählt, und erscheint in der HTML-Publikation als Umfang der automatisierten Prüfung. Dokumente wie Richtlinien, Runbooks und Architekturbeschreibungen gelangen über den Ingest-Pass und den Kontext-Pass in den Lauf.

Der Katalog trennt technische Maßnahmen, die durch Code- und Infrastruktur-Evidenz gestützt werden können, von Governance-Pflichten, die Dokumente erfordern. 12 Kontrollen deklarieren assessment_type_scope: [aud] (nur Audit-Evidenz): NIS2_GOV_1 bis NIS2_GOV_4, NIS2_RSK_6, NIS2_INC_3 bis NIS2_INC_5 (die Meldefristen), NIS2_BCM_3, NIS2_SCM_3, NIS2_NSC_4 und NIS2_HRS_2. Die meisten übrigen Kontrollen nennen Betriebs-Runbooks (25 Kontrollen) oder die Lösungsarchitektur (13 Kontrollen) als Kontext. 14 Kontrollen deklarieren eine Signalfamilie:

KontrolleTitelDeklarierte Evidenzbasis
NIS2_INC_1Incident detection and classification processOBS, Kontext ops_runbooks
NIS2_SCM_4Software supply chain security and SBOMSBOM (Pass 05)
NIS2_NSC_1Network security management and segmentationEGR (Pass 07), TF (Pass 06)
NIS2_NSC_2Endpoint security and patch managementTF (Pass 06)
NIS2_NSC_3Security monitoring and anomaly detectionOBS
NIS2_NSC_5Security configuration management and hardeningTF (Pass 06)
NIS2_CRY_2Encryption of data at rest and in transitCRYPTO (Pass 08)
NIS2_CRY_3Cryptographic key managementCRYPTO (Pass 08)
NIS2_HRS_3Access control based on least privilegeIAM
NIS2_HRS_4Privileged access managementIAM
NIS2_HRS_5Identity lifecycle and offboarding proceduresIAM
NIS2_MFA_1MFA for critical systems and remote accessIAM
NIS2_VHR_1Vulnerability identification and risk-based assessmentTF (Pass 06)
NIS2_VHR_2Patch and vulnerability remediation timescalesTF (Pass 06), Kontext ops_runbooks

Hinweis: Dieser Katalog deklariert die Signalfamilien IAM, OBS. Kein Pass der aktuellen Version erzeugt Signale mit diesen Präfixen. Die betroffenen Kontrollen werden daher in der Praxis anhand verwandter Signale (etwa Terraform-, Egress- oder Kryptografie-Befunde) und anhand von Kontextdokumenten bewertet.

Aufbau der Kontrollen ​

Domäne / SäuleKontrollenDeklarierte automatisierte EvidenzBeispielkontrollen
NIS2-GOV: Governance and Management Body Accountability40NIS2_GOV_1 Management body oversight and accountability for cybersecurity; NIS2_GOV_2 Management body cybersecurity training
NIS2-RSK: Risk Analysis and Security Policies60NIS2_RSK_1 Cybersecurity risk management framework; NIS2_RSK_2 Cybersecurity risk assessment
NIS2-INC: Incident Handling61NIS2_INC_1 Incident detection and classification process; NIS2_INC_2 Significant incident determination criteria
NIS2-BCM: Business Continuity50NIS2_BCM_1 Business continuity plan for network and information systems; NIS2_BCM_2 Disaster recovery planning and geographic redundancy
NIS2-SCM: Supply Chain Security51NIS2_SCM_1 Supply chain security policy; NIS2_SCM_2 Supplier security assessment and due diligence
NIS2-NSC: Network and Information System Security54NIS2_NSC_1 Network security management and segmentation; NIS2_NSC_2 Endpoint security and patch management
NIS2-CRY: Cryptography and Encryption32NIS2_CRY_1 Encryption policy and approved cryptographic algorithms; NIS2_CRY_2 Encryption of data at rest and in transit
NIS2-HRS: Human Resources Security and Access Control53NIS2_HRS_1 Cybersecurity awareness training for management and staff; NIS2_HRS_2 Personnel security screening
NIS2-MFA: Multi-factor Authentication and Secure Communications31NIS2_MFA_1 MFA for critical systems and remote access; NIS2_MFA_2 Secured voice, video, and text communications
NIS2-VHR: Vulnerability Management42NIS2_VHR_1 Vulnerability identification and risk-based assessment; NIS2_VHR_2 Patch and vulnerability remediation timescales
Summe4614

Querverweise auf andere Frameworks ​

Mappings je Kontrolle in controls.yaml (maps_to), gezählt nach Ziel-Framework:

Ziel-FrameworkKontrollen mit mindestens einem maps_to-Verweis
ISO_2700142

Deklarierte Querverweis-Hinweise in framework-meta.yaml (auf Framework-Ebene, nicht je Kontrolle): ISO_27001, DORA, GDPR, EU_CRA, KRITIS_DE, BSI_GRUNDSCHUTZ_2023, EUCS.

Aktivierung ​

  1. Erkennung. Kopieren Sie den Ordner nis2 in den Workspace nach wsp/inputs/catalogs/community/nis2/ (siehe nächster Abschnitt). Jeder Framework-Ordner dort wird automatisch erkannt; eine Registrierung ist nicht nötig. Die Framework-Auswahl der TUI (Run Assessment, dann der Framework-Schritt der Anwendung) bietet ihn an, und der Compliance-Pass löst Kataloge aus diesem Workspace-Ordner auf. In der TUI zeigt die Framework-Auswahl für Anwendungs-Assessments installierte Frameworks, deren assessment_type_scope den Wert app enthält. Dieses Framework deklariert app und aud und erscheint dort; die Auswahl für Landing-Zone-Assessments zeigt alle installierten Frameworks.

  2. Auswahl. Die gewählten Frameworks werden je Anwendung in apps/<app-id>/.swao.yml als assessment.regimes_active gespeichert, und der Compliance-Pass bewertet genau diese Liste. Die TUI schreibt den Eintrag für Sie; auf der Kommandozeile verwenden Sie swao regime-select --app <app-id> --regimes NIS2. Alternativ bearbeiten Sie die .swao.yml der Anwendung von Hand:

    yaml
    assessment:
      regimes_active: [NIS2]

    Mehrere Frameworks lassen sich in einer Liste kombinieren. Sollen mehrere Anwendungen gegen dasselbe Framework geprüft werden, tragen Sie die ID bei jeder Anwendung ein.

  3. Workspace-Ebene. Eine Liste regimes_active in der .swao.yml des Workspaces gilt für jede Anwendung ohne eigene Liste. Eine Liste in der App hat immer Vorrang.

  4. Prüfung. Führen Sie swao health-check aus: Der Check meldet IDs in regimes_active, für die kein Katalog installiert ist.

Framework beziehen oder anpassen ​

Die Quelle des Frameworks (framework-meta.yaml, controls.yaml und ggf. weitere Dateien) ist öffentlich. Sie können sie auf GitHub ansehen und per Kopieren und Einfügen übernehmen:

Um das Framework für ein einzelnes Engagement anzupassen, kopieren Sie den Ordner nis2 in Ihren Workspace nach wsp/inputs/catalogs/community/nis2/ und bearbeiten Sie dort die Kopie, etwa um Schweregrade anzupassen oder engagementspezifische Kontrollen zu ergänzen. SWAO liest diesen Workspace-Ordner; das mit SWAO ausgelieferte Original bleibt unverändert. Legen Sie die Kopie direkt unter community/ ab, denn Ordner, deren Name mit einem Punkt beginnt, werden übersprungen. Halten Sie regime_meta.id eindeutig: Deklarieren zwei Workspace-Ordner dieselbe ID, wird nur einer davon geladen. swao framework info NIS2 zeigt die mitgelieferten Metadaten an.

Grenzen und Hinweise ​

  • SWAO erstellt eine evidenzbasierte Voreinschätzung. Sie ist weder eine Zertifizierung noch ein Prüfungsurteil oder eine Rechtsberatung. Prüfen Sie jedes Ergebnis SATISFIED und GAP, bevor Sie sich darauf stützen, und ziehen Sie für formale Compliance-Aussagen qualifizierte Prüfer oder Rechtsberater hinzu.
  • Die Ergebnisse hängen von der im Lauf verfügbaren Evidenz (Code, Konfiguration, Infrastructure-as-Code, eingelesene Dokumente) und von der Bewertung durch das LLM ab. Spricht kein Signal eine Kontrolle an, ist das LLM angewiesen, UNKNOWN statt GAP zu liefern.
  • Organisatorische, physische und vertragliche Kontrollen lassen sich nicht aus Code belegen. Dafür werden vom Kunden bereitgestellte Dokumente benötigt.
  • Die Pflichten unterscheiden sich je nach nationaler Umsetzung und Einrichtungsklasse (EE oder IE). Klären Sie das anwendbare nationale Recht und die Einstufung der Einrichtung mit Rechtsberatern.
  • Die Meldefristen von 24 Stunden, 72 Stunden und einem Monat sind Prozesspflichten; SWAO kann prüfen, ob Verfahren dokumentiert sind, nicht, ob sie in der Praxis eingehalten werden.